Mittwoch, 23. September 2026
Ehemaligentag
Einmal Maria Ward – immer Maria Ward
Traditionell am dritten Wochenende im September öffnet unsere Schule ihre Türen für einen Tag, der seit vielen, vielen Jahren einen festen Platz im Kalender und vor allem in den Herzen unserer ehemaligen Schülerinnen hat: den Ehemaligentag. Dass diese Veranstaltung inzwischen weit mehr als ein gewöhnliches Wiedersehen ist, zeigte sich auch in diesem Jahr wieder sehr eindrucksvoll. Denn wenn frühere Schülerinnen aus ganz unterschiedlichen Abschlussjahrgängen an ihre alte Schule zurückkehren, werden aus Jahrzehnten plötzlich Augenblicke und aus lange vergangenen Schulgeschichten wieder ganz lebendige Erinnerungen.
Insgesamt hatten sich 212 ehemalige Schülerinnen in zwölf Gruppen angemeldet. Das beeindruckende Spektrum reichte vom Abiturjahrgang 1976, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Abiturjubiläum feiern durfte, über die Jahrgänge mit 40-, 30-, 20- und 10-jährigem Abitur bis hin zum Abiturjahrgang 2016. Auch zahlreiche ehemalige Realschülerinnen waren vertreten und feierten ihre Abschlussjubiläen, die von 30 bis zu 10 Jahren zurücklagen. So trafen an diesem Nachmittag ganz unterschiedliche Generationen aufeinander, die dennoch vieles miteinander verband: die Erinnerungen an ihre Schulzeit, an besondere Lehrerinnen und Lehrer, an Freundschaften, gemeinsame Erlebnisse und natürlich an all jene Geschichten, die früher vielleicht besser nicht im Jahresbericht gestanden hätten.
Für die angemeldeten Gruppen waren verschiedene Klassenräume vorbereitet worden, die von aktiven Kolleginnen und Kollegen sowie von Schülerinnen der Jahrgänge 11-13 mit viel Liebe und einem bemerkenswerten Gespür für eine festliche Atmosphäre gestaltet worden waren. Die Abiturientinnen erfüllten an dem Nachmittag sämtliche Wünsche, rannten die Treppen mit dreckigem Geschirr herunter und brachten weitere Getränke, zusätzlichen Kuchen etc. je nach Belieben der Jubilare wieder hoch in die Räume. Das haben sie grandios gemeistert und freuen sich nun über die zahlreichen Spenden für ihren Abschluss. Es wurde erzählt, gelacht und in Erinnerungen geschwelgt. Alte Fotoalben, frühere Jahresberichte und Freundebücher wanderten von Hand zu Hand und sorgten immer wieder für begeisterte Ausrufe, herzliches Lachen und gelegentlich auch für die erstaunte Frage: „Sahen wir damals wirklich so aus?“ Vermutlich beantworteten die alten Fotografien diese Frage ehrlicher, als es allen lieb war.
Doch der Ehemaligentag lebte nicht nur von den offiziellen Jahrgangstreffen. Zahlreiche ehemalige Schülerinnen kamen auch ganz spontan vorbei, ohne sich einer bestimmten Gruppe angeschlossen zu haben. Sie wollten vertraute Gesichter wiedersehen, durch die Schule gehen und mit früheren Lehrerinnen und Lehrern ins Gespräch kommen. Dabei wurde manche spitzbübische Geschichte aus der Schulzeit endlich aufgeklärt, während andere wohl auch weiterhin ein wohlgehütetes Geheimnis bleiben werden. Lustige Anekdoten wurden erzählt, gemeinsame Erlebnisse neu zusammengesetzt und Erinnerungen ergänzt, denn häufig zeigt sich erst beim Wiedersehen, dass ein und dieselbe Begebenheit aus der Sicht von Schülerinnen und Lehrkräften durchaus unterschiedlich verlaufen sein soll.
Besonders schön war es, dass auch viele inzwischen pensionierte Lehrerinnen und Lehrer den Weg zurück an ihre frühere Wirkungsstätte fanden. Für unsere ehemaligen Schülerinnen ist es immer wieder eine große Freude, auf diese vertrauten „alten“ Gesichter zu treffen. Schnell wurde deutlich, dass die Verbindung zwischen Schülerinnen und Lehrkräften nicht mit dem letzten Schultag endet. Viele Gespräche wurden mit derselben Herzlichkeit fortgesetzt, mit der sie vielleicht Jahrzehnte zuvor begonnen hatten – nur dass inzwischen niemand mehr an die nächste Klassenarbeit erinnern musste.
Bereits am Vormittag war in der Lehrerküche eifrig gearbeitet worden, denn für die festliche Dekoration hatten einige Kolleginnen offenbar kurzerhand nicht nur ihre Gärten geplündert, sondern auch die Unkräuter am Wegesrand mitgenommen. Mit Blumen, Zweigen und wunderschönen Zieräpfeln entstanden liebevolle Arrangements, teilweise sogar in Reagenzgläsern und Reagenzglasständern - irgendwann roch der A-Bau nach Minze aus dem Garten. Die jüngste Helferin im Dekorationsteam war gerade einmal sechs Jahre alt und ein Blumenmädchen wie aus dem Bilderbuch. Mit ihren kleinen, fleißigen Händen half sie beim Gestalten, während die Sonne förmlich aus ihrem Gesicht strahlte. So wurden die Tische in den Räumen zu kleinen spätsommerlichen Blickfängen, die bei herrlichstem Wetter und strahlendem Sonnenschein die herzliche Stimmung dieses Tages wunderbar ergänzten.
Auch die musikalische Eröffnung spiegelte den besonderen Geist der Veranstaltung wider. Lilly Reiß begrüßte die Gäste am Klavier mit wundervollem Gesang und wurde dabei von zwei ehemaligen Schülerinnen unterstützt: Die eine sang kurzerhand mit, während die andere mit einem Schirm für den nötigen Sonnenschutz sorgte. Schöner hätte man kaum zeigen können, wie selbstverständlich ehemalige und heutige Schülerinnen zusammengehören. Wo Hilfe gebraucht wird, ist jemand zur Stelle – sei es am Mikrofon oder mit einem schattenspendenden Schirm.
Anschließend begrüßte unsere Schulleiterin Frau Brummer die Gäste mit sehr herzlichen Worten, bevor sie an die Organisatorin des Ehemaligentages, Frau Dr. Pleus, übergab. Frau Dr. Pleus wurde in diesem Jahr tatkräftig von unserer Kollegin Frau Elena Günthert unterstützt, denn eine Veranstaltung dieser Größenordnung organisiert sich schließlich nicht ganz von allein – auch wenn es für die Gäste am Ende beinahe so mühelos aussehen mag.
Ein besonders berührender Moment war die Überraschung, die ein Jahrgang für Frau Dr. Pleus vorbereitet hatte. Mit einem wunderschönen rosafarbenen Blumenstock bedankten sich die ehemaligen Schülerinnen für die liebevolle Organisation und die viele Arbeit, die hinter diesem Tag steckt. Zugleich brachten sie damit ihre Anerkennung für das langjährige Engagement von Frau Dr. Pleus zum Ausdruck. Es war schön zu erleben, dass dieser Einsatz gesehen wird und keineswegs als selbstverständlich gilt, denn gerade Veranstaltungen, die seit vielen Jahren scheinbar ganz selbstverständlich zum Schulleben gehören, brauchen Menschen, die sie mit großer Verlässlichkeit, Ausdauer und persönlicher Hingabe immer wieder möglich machen.
Der gesamte Nachmittag verlief ausgesprochen harmonisch, fröhlich und ausgelassen. Überall wurde erzählt, gelacht, erinnert und wieder angeknüpft, als wären seit der letzten Begegnung nicht Jahre oder sogar Jahrzehnte vergangen. Auch unsere Schülerinnen des Jahrgangs 13 waren von der Atmosphäre und von der Idee dieses Tages so begeistert, dass einige den Termin für ihr eigenes späteres Wiedersehen gedanklich wohl schon jetzt im Kalender vorgemerkt haben.
Der Ehemaligentag zeigt jedes Jahr aufs Neue, was unsere Schule auszeichnet: Sie ist nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Ort der Gemeinschaft, der Verbundenheit und der Erinnerungen. Wer hier seine Schulzeit verbracht hat, nimmt etwas mit, das offenbar auch nach vielen Jahren noch trägt und Menschen immer wieder zurückführt.
Einmal Maria Ward – immer Maria Ward.
Text und Fotos: Sabine Trauthwein









