Medienscouts machen Fernsehen

Am 27.09.2017 war es endlich soweit: Wir, die Medienscouts der MWS, konnten endlich zum Offenen Kanal nach Mainz fahren um dort mit professioneller Unterstützung eine eigene Nachrichtensendung, die Klasse(n)-Nachrichten zu produzieren. Bereits im August war der SWR-Moderator Florens Herbst, der bei „SWR aktuell Rheinland-Pfalz“ tätig ist, zu uns an die MWS gekommen, um uns auf den Drehtag einzustimmen.

Im OK:TV gibt es alles, was man für das Fernsehen braucht: ein Fernsehstudio, Kameras, eine Fernsehregie, und Redaktionsräume wie im SWR Funkhaus – nur etwas kleiner. Eingeteilt in verschiedene Teams konnten wir deshalb mit den SWR-Redakteuren und Medienpädagogen der LMK einen Blick hinter die Kulissen werfen und die vielen verschiedenen Tätigkeiten kennen-lernen, die für so eine Sendung gebraucht werden: Für einen Tag waren wir für Ton, Licht, Re-daktion, Organisation und Maske zuständig. So haben wir Artikel geschrieben, Bildmaterial zu-sammengestellt, Filme mit Ton hinterlegt, Kameraeinstellungen durchgeführt und die Sendung moderiert.

Der Höhepunkt des Tages war die Aufnahme der Sendung – und zwar unter live-Bedingungen! Alle waren vor dem Start sehr aufgeregt und haben gehofft, dass alles gut geht. In den 7 Minuten der Sendezeit standen alle unter Strom und durften keine Fehler machen. In der Sendung führte die Moderatorin Helena D. noch ein Interview mit ihrem betreuenden Lehrer Herrn S …

Letztendlich lief glücklicherweise alles wie geplant und alle applaudierten nach der Aufnahme.

Die professionell wirkende Sendung wurde bereits viermal im OK Mainz ausgestrahlt und kann hier angeschaut werden:

MINT-freundliche Schule

MINT-freundliche Schule
Vier Landauer Schulen als „MINT-freundliche Schule“ ausgezeichnet – Bürgermeister Dr. Ingenthron: „Ein großartiger Erfolg und eine Bereicherung für den Bildungsstandort Landau“

Pressemitteilung der Stadt Landau vom 29.11.2017

Ein großer Tag für Landaus Schulen: Die Initiative „MINT Zukunft schaffen“ hat auch in diesem Jahr Schulen ausgezeichnet, die sich in besonderem Maße für die Förderung der Fächer und Fachrichtungen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik einsetzen. Rund 90 rheinland-pfälzische Schulen dürfen sich über die Auszeichnung freuen – vier davon kommen aus Landau. Das Otto-Hahn- und das Eduard-Spranger-Gymnasium, die Grundschule Wollmesheimer Höhe und die private Maria-Ward-Schule wurden nach dreijähriger erfolgreicher MINT-Profilbildung erneut mit dem Signet „MINT-freundliche Schule“ ausgezeichnet. Die beiden staatlichen Gymnasien dürfen sich zudem über den neuen Zusatz „Digitale Schule“ freuen. Die Ehrung der Schulen in Rheinland-Pfalz steht unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz.

Bürgermeister und Schuldezernent Dr. Maximilian Ingenthron nahm an der feierlichen Ehrung in der Landeshauptstadt teil und zeigte sich begeistert vom außergewöhnlichen Engagement der Landauer Schulen. „Unsere Schulen zeichnen sich durch große Vielfalt, ein hohes Maß an Kreativität und unermüdliches Engagement aus – das beweist die Auszeichnung der vier Landauer Schulen einmal mehr“, betont Dr. Ingenthron. Mit der Förderung der MINT-Fächer leisteten die Schulen einen großartigen Beitrag zur Fachkräftesicherung und würden auch bei Mädchen und jungen Frauen die Begeisterung für naturwissenschaftliche Berufszweige wecken. MINT-Fächer seien für die Sicherung und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Deutschland von eminenter Bedeutung. Sein ausdrücklicher Dank gelte den Schulleitungen, den verantwortlichen Lehrkräften und den Schulgemeinschaften insgesamt für deren vorbildliches Engagement und unermüdliche Einsatzbereitschaft.

Seit 2008 ehrt die Initiative „MINT Zukunft schaffen“ gemeinsam mit zahlreichen Partnerorganisationen und -verbänden bundesweit Schulen, die sich in besonderem Maße für die Förderung der MINT-Fächer im Unterrichtsalltag einsetzen. Um die Auszeichnung zu erhalten, müssen die Schulen ein Bewerbungsverfahren durchlaufen und zahlreiche Kriterien erfüllen. Dazu zählen unter anderem Angebote zur Förderung von Mädchen, die Teilnahme an Wettbewerben und die Zusammenarbeit mit anderen Schulen und Hochschulen. Eine ausgezeichnete Schule behält ihren Titel für drei Jahre. Danach kann sie sich erneut bewerben und durchläuft ein Rezertifizierungsverfahren. Schulen, deren Arbeit zudem in besonderer Weise durch das Lernen über digitale Medien bzw. Technologien geprägt ist und die besonderen Wert auf die informatische Grundbildung ihrer Schülerinnen und Schüler legen, können zudem den Zusatz „Digitale Schule“ erhalten.

Text: Stadt Landau
Foto: Wolfgang Schmidt
Gestaltung: homepage-team

Reformationsgottesdienst

Ist Verstehen denn so schwer?
Gedicht von Lovisa Matros, 10c

Schläge klatschen hart in sein Gesicht
Doch er spürt sie kaum mehr
Setzt sich nicht zur Wehr
Sein Innerstes ist längst taub und leer
Er ist gezeichnet von Schmerz
Wund ist sein Herz
Jeder sieht es ihm an
Und manchmal, wenn er nicht mehr kann
Dann weint er lautlos, heimlich, leise
Schatten ziehen um ihn ihre Kreise
Ziehen ihn in ihren Bann, halten ihn gefang`!
Ja, manchmal, wenn er nicht mehr kann
Wenn er im Schmerz seiner Trauer ertrinkt
Und das Echo der Schläge in seinen Ohren verklingt
Dann schaut er voll Sehnsucht zum Himmel hinauf
Lässt den Tränen ihren Lauf!

Schaut ihn euch nur an, seht ihr die Narben?
Seine Seele ist zerrissen
Er hängt am seidenen Faden!
Schaut ihn euch nur an, seht ihr die Wunden?
Er ist schon fast in der Schwärze seiner Trauer ertrunken
Schon beinah verschwunden…

Sie steht da, allein im Regen
Um sie herum braust das Leben
Doch sie wagt kaum, sich zu bewegen
Zu groß ist die Angst vor der Ignoranz
Die Angst vor der schmerzenden Intoleranz!

Denn:
Sie ist schwarz, nicht weiß
Sie ist laut, nicht leis`
Sie ist farbenfroh und bunt
Doch die Ausgrenzung macht ihr Herz rau und wund
Sie ist so anders, sieht anders aus
Sie sehnt sich nachhaus`!

Schaut sie euch nur an, seht ihr die Narben?
Ihre Seele ist zerrissen
Sie hängt am seidenen Faden!
Schaut sie euch nur an, seht ihr die Wunden?
Sie ist schon fast in der Schwärze ihrer Trauer ertrunken
Schon beinah verschwunden…

Und ich frage euch:
Wo ist eure Toleranz – Akzeptanz?
Ich seh` euch zweifelnd ins Gesicht
Sie existiert ganz einfach nicht
Stattdessen schwört ihr auf Distanz und Ignoranz!?
Fangt doch endlich an, alle Menschen zu lieben
Genauso wie sie sind
Fangt an für Gerechtigkeit zu kämpfen, für Frieden
Oder seid ihr wirklich so blind?
Erkennt ihr nicht, dass ihr die Menschen verletzt?
Wenn ihr euch gegenseitig auf sie hetzt
Erkennt ihr nicht, dass sie kaputt daran geh`n?
Könnt ihr es wirklich nicht seh`n?
Fangt doch bitte endlich an zu versteh`n!

Stolpersteine

Auf der Spur
Die Rheinpfalz, 7.3.2017

Vier Stolpersteine verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig am Donnerstag vor der Maria-Ward-Schule in Landau. Mit ihnen gedenkt die Schule vier jüdischer Mädchen, die einst selbst hier zur Schule gingen – bis zur Flucht in andere Länder vor den Nazis.

Das Internet war’s, das Lena Guth und Beronique Lapre auf die Spur von Doris Katz‘ Nachkommen brachte. Die beiden Schülerinnen der Maria-Ward-Schule in Landau hatten am ersten Tag ihrer Recherche Erfolg: Sie machten deren Tochter ausfindig. Doris Katz, geborene Kern, war in den 1930er-Jahren eine jüdische Schülerin der Vorschule der heutigen Maria-Ward-Schule. Viel mehr wussten die Zwölftklässlerinnen Anfang Februar nicht. „Wir hatten nur den Namen von Doris Katz, ihrem Mann Egon und ihr Geburtsdatum“, sagt Lena Guth. Auch das Landauer Stadtarchiv konnte nicht viel mehr Infos liefern.

Lena und Beronique googelten die Namen und entdeckten einen Eintrag über Egon Katz auf einem Online-Portal für Ahnenforschung. Dort meldeten sie sich an und stießen dann auf die Namen seiner Kinder. Die Mädchen fanden Katz‘ Tochter bei Facebook und schrieben sie an. „Wir haben ihr erklärt, was wir machen und gar nicht mal viele Fragen gestellt. Sie hat direkt geantwortet, dass Doris Katz ihre Mutter gewesen sei.“ Einige E-Mails gingen von Deutschland nach Brasilien und zurück. Die Tochter schickte mehrere Fotos ihrer Mutter, die 2005 im brasilianischen Säo Paulo starb. Fotos einer Heranwachsenden, einer Braut, einer reiferen Frau.

Und sie erzählte in einer ihrer Nachrichten darüber, dass ihre Mutter 1936 im Alter von acht Jahren mit ihrer Familie erst nach Chile und dann nach Brasilien flüchtete. Der Vater von Doris habe in Deutschland bleiben wollen. Die Mutter, die von Inhaftierungen jüdischer Bürger gehört hatte, konnte ihn umstimmen. Sehr wahrscheinlich rettete der starke Wille der Mutter das Leben der ganzen Familie.

„Lena und Beronique haben Licht in die dunkelste Spur gebracht, die wir von den ehemaligen Schülerinnen hatten“, sagt Lehrerin Jutta Brummer; die das Stolperstein-Projekt an der Maria-Ward-Schule begleitet. Vier Klassen, drei neunte und eine zwölfte, haben sich jeweils des Schicksals einer jüdischen Schülerin angenommen. Was sie über die Mädchen herausgefunden haben, werden sie am Donnerstag zur Gedenkfeier und Stolperstein-Verlegung in einer Werkstatt-Ausstellung im Foyer der Schule präsentieren.

https://mws-landau.de/berichte/stolpersteine/105.jpgAußerdem wird eine Gruppe von Schülern szenisch darstellen, wie den verfolgten Jüdinnen symbolhaft ihr Gesicht zurückgegeben wird. Ihr Gesicht, das ihnen die Nazis genommen haben. Die Schüler haben die Tochter von Doris Katz zu der Feier eingeladen. Zeit zu kommen habe sie aber leider keine. Wenn es die Technik hergibt, so Brummer, könne sie sich eventuell über einen Facebook-Livestream aus Brasilien zuschalten.

Vier Stolpersteine verlegt der Künstler Gunter Demnig am Donnerstagmorgen vor der Schule. Darauf stehen die Namen der vier ehemaligen Schülerinnen – neben Doris Kern sind das Dorothea Drexler, Elisabeth Jeremias und Margot Schwarz.

Evie Rothe, die Tochter von Margot Schwarz, wird gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Freundin aus Zürich dabei sein. Nach der Gedenkfeier wird sie in der Aula der Schule von der Geschichte ihrer Mutter berichten.

In Landau sind bereits 180 Stolpersteine vor 55 Häusern verlegt. 547 sollen es einmal sein. Demnig will mit den Stolpersteinen von den Nazis verfolgte Juden, Behinderte, Homosexuelle, Sinti und Roma ins Bewusstsein rücken.

Vom Himmel herab
Die Rheinpfalz, 10.3.2017

Messingfarben schimmern sie auf Gehwegen, die Stolpersteine. 205 sind es seit gestern. 6000 sollen es mal werden. Zum zehnten Mal kam der Kölner Künstler Gunter Demnig nach Landau, um die kleinen Mahnmale zu verlegen. Erstmals auch vor einer Landaber Schule.

Evie Rote findet keine Worte mehr, als sie im Foyer der Maria-Ward-Schule in Landau eine Plakatwand mit dem Foto ihrer Mutter Margot Schwarz, der Skizze von deren Flucht und ihren Stammbaum entdeckt. Die Augen der in Israel lebenden Amerikanerin schwimmen in Tränen. „Die Schule weiß ja fast mehr über meine Mutter als ich“, bringt sie dann auf Englisch hervor. „Ich fühle mich ihr hier so nah.“ Ein größeres Kompliment kann sie den Schülerinnen und Lehrern für deren Mühe kaum machen.

Noch vor der Schule bricht der 68jährigen Tochter der einst letzten jüdischen Schülerin der Maria-Ward-Schule (MWS) die Stimme weg, als sie vor etwa 40 Zuschauern und mindestens noch mal so vielen Schülerinnen und Lehrern davon erzählt, was für ein Glück ihre Mutter damals hatte, als Jüdin von den Nonnen der Schule vor den Nazis beschützt worden zu sein. „Meine Mutter lächelt gerade vom Himmel herab, weil sie weiß, dass ich heute bei euch bin“, sagt Rote, die zum zweiten Mal in Landau ist und am Abend zuvor zusammen mit ihrem israelischen Mann ihr Elternhaus besuchte.

Die Schule hat eine bewegende Feier auf die Beine gestellt, um vier ehemaliger jüdischer Schülerinnen bei der Verlegung von vier Stolpersteinen zu gedenken. Während der Kölner Künstler Gunter Demnig, flankiert von vielen Landauern mit bunten Regenschirmen, die Steine vor dem Schuleingang in der Cornichonstraße verlegt, zeigen die Schülerinnen eine Theaterszene.

Sie berichten dabei über die Schicksale der vier Mädchen, die während des Nationalsozialismus die Schule wegen ihrer Religion verlassen mussten und was sie aus deren Geschichte gelernt haben. Sie betonen, dass sie sich entschlossen gegen Rassismus stellen und Respekt, Toleranz und Zivilcourage gegenüber anderen zeigen wollen. „Wir können ihnen ihre verlorene Heimat nicht zurückgeben“, sagt MWS-Schulleiter Klaus Neubecken, „aber mit ihrem Namen und ihrer Geschichte dafür sorgen, dass sie ihr Gesicht zurückbekommen.“

Über 60.000 Stolpersteine hat Demnig seit 1992 verlegt. In Landau kamen gestern 24 neue hinzu. Nicht nur vor dem Eingang der Mädchenschule. Auch Ostring und Westring sind um 20 „Mahnmale von unten“ reicher. Vor der Hausnummer 27 im Ostring wurde Daniel Marx mit seiner Familie Zeuge, wie die Stolpersteine vor dem Elternhaus seines Vaters Hans Marx und dessen Familie eingelassen wurden.

Landaus Bürgermeister Maximilian Ingenthron (SPD) kündigte an: „Wir ruhen nicht eher, bis jedes einzelne Schicksal der verfolgten Landauer Juden als Stolperstein im Boden liegt.“ Man müsse nur den Kopf senken, um zu sehen, wohin Rassismus führe.

Texte: Die Rheinpfalz
Bilder: Matthias Staudt
Gestaltung: Sabrina Heinze