Ist das Musik oder kann das weg?

Wenn man als Kind anfängt, ein Instrument zu spielen, klingt das erstmal nicht nach Musik, sondern eher nach einer Reihe undefinierbarer und manchmal schmerzhafter Geräusche. Unser jahrelanges Üben und das Studieren von über 1500 Jahren Musikgeschichte im Musik-Leistungskurs hatten eigentlich immer zum Ziel, diese in möglichst musikalische Klänge zu verwandeln. Als wir aber in der 13. Klasse anfingen, uns mit Neuer Musik zu beschäftigen, wurde unser Verständnis von „musikalisch“ grundlegend erschüttert: Wir hörten Werke von Schönberg, Berg & co…. Und das war erst der Anfang! Auf deren Zwölftonmusik folgten Cluster, Klangcollagen und Vierteltöne. Noch mehr auf die Probe gestellt wurde unser traditionell geprägtes Gehör auf unserer letzten gemeinsamen Fahrt mit unserem Kurs nach Frankfurt. Dort beschäftigten wir uns vom 6.-8. Februar im Tonstudio der Hochschule unter der Leitung von Orm Finnendahl, Professor für Komposition und selbst zeitgenössischer Komponist, mit elektronischen Klängen. Die Ergebnisse präsentierten wir eine Woche später bei der Vorstellung „Drunter und Drüber“ in der Aula der Maria-Ward-Schule.

Als wir am Mittwochabend zum ersten Mal gespannt das Studio betraten, wurden wir bereits von Orm Finnendahl und drei seiner Kompositionsstudenten erwartet. Einer von ihnen, Camilo Bornstein, hat im Rahmen seines Studiums ein Vierteltonstück komponiert, welches einige von uns bereits geübt hatten und in den folgenden Tagen unter seiner Leitung perfektionieren würden. Um einen ersten Eindruck von elektronischen Kompositionen zu gewinnen, hörten wir aber zunächst ein Acht-Kanal-Stück: Acht um den Zuhörer positionierte Lautsprecher spielen verschiedene Klänge, die ein beeindruckendes Gesamtbild ergeben. Das Stück, welches wir hörten, ist ausschließlich aus Sprachaufnahmen entstanden. Der Komponist verarbeitete diese, indem er sie segmentierte und auf verschiedene Lautsprecher verteilte, sodass ein dreidimensionales Hörerlebnis entsteht.

Weiter in die Welt der elektronischen Klänge führte uns das Stück „Flock“ von Orm Finnendahl, bei dem in einer Computersimulation das Schwarmverhalten von Tieren dargestellt und in Klänge übersetzt wird. Beim Anhören kam irgendwann die zentrale Frage auf: Ist das Musik oder kann das weg? Im Laufe unserer Arbeit an eigenen Projekten würden wir immer wieder auf diese Frage stoßen.

Am nächsten Morgen begannen wir, an diesen zu arbeiten: Zu dem Motto „Drunter und Drüber“ hatte der Grundkurs Bildende Kunst aus der MSS12 zwei Kurzfilme gedreht, die wir vertonen sollten. Für einen der beiden Filme benutzten wir ein im Studio vorhandenes Klangverarbeitungsprogramm, das live Eingespieltes durch Überlagerung und Veränderung von Geschwindigkeit und Tonhöhe verfremdet. Dafür benutzten wir mitgebrachte Instrumente und experimentierten auch mit Gesang, Sprache und diversen Geräuschen. Für uns war es sehr spannend, diese Kompositionstechnik auszuprobieren und ihre Möglichkeiten kennenzulernen – Dennoch stießen wir auch auf die Grenzen dieser Methode, da man hier sehr an das Programm gebunden ist. Die Kreativität, die Musik ausmacht, war auf den ersten Blick nicht so präsent wie beim konventionellen Komponieren. Bereits im Vorfeld hatten wir uns aber kreativ mit Neuer Musik auseinandergesetzt und selbst in Gruppenarbeit eigene Stücke für unser Konzert kreiert. Am Nachmittag nutzten wir die Chance, von einem Professor für Komposition konstruktive Kritik und damit auch neue Denkanstöße zu erhalten: Orm Finnendahl hörte sich alle unsere Stücke an und gab uns sein professionelles Feedback.

Am Abend waren wir alle sehr beeindruckt und inspiriert von den neuen Erfahrungen und voller Ideen für unsere weitere Arbeit an den Projekten, trotzdem sehnten wir uns auch ein wenig nach uns vertrauterer Musik. Zum Glück besuchten wir ein Konzert in der Alten Oper Frankfurt: Dort erwarteten uns Werke von Johannes Brahms und Béla Bartók – Selbst dessen Musik, die für einige von uns zuvor doch etwas zu modern war, erschien uns plötzlich wie erlösende Harmonien.

Nachdem wir am Ende eines musikalisch vielfältigen Tages zur Jugendherberge zurückgekehrt waren, war der letzte Abend unserer Fahrt aber noch lange nicht zu Ende. Nach einem Abstecher in eine lokale Bar ließen wir den Abend noch gemeinsam in der Jugendherberge bei Spielen, Süßigkeitenresten und (natürlich nicht-alkoholischen) Drinks ausklingen.

In unseren letzten Stunden im Studio am nächsten Vormittag gingen wir zum kreativeren Teil über: Wir unterlegten den Film mit den zuvor aufgenommenen Klängen und konnten beim Konzipieren der Vertonung unsere Vorstellungen und Ideen umsetzten. Noch kreativer sollte es bei der Vertonung des zweiten Filmes werden. Wir überlegten uns ein Konzept nach dem wir die Bilder beim Konzert improvisatorisch in Musik umsetzen könnten. Die letzten Feinschliffe wurden auch beim Stück „Aggregation und Dispersion“ von Camilo Bornstein vorgenommen.

So konnten wir gut vorbereitet und voller Vorfreude auf unser Konzert in der nächsten Woche zurück nach Hause fahren. Die Beantwortung der Frage „Ist das Musik oder kann das weg?“ fällt uns trotz allem aber noch schwer: Wir sind uns immer noch nicht ganz einig, ob das Musik ist – aber weg kann es sicher nicht.

Text: Lena Dittrich und Tabea Brummer (MSS 13)
Bilder: Sabrina Schwind (MSS 13)

Vocal Heroes 2019

Am 8. März 2019 fand an unserer Schule der schulinterne Vorentscheid des Gesangswettbewerbs „Vocal Heroes – Die Pfalz sucht die junge Stimme“ statt. Zehn mutige Schülerinnen traten auf der großen Bühne unserer Aula auf und zeigten, was sie gesanglich drauf haben. Die Maria-Ward-Schule beteiligte sich nun schon zum dritten Mal an diesem Wettbewerb für pfälzische Schulen, der alle zwei Jahre von Klaus Eichenlaub veranstaltet wird.
Besonders beeindruckend an diesem Abend war das durchweg hohe Niveau bei den Gesangsbeiträgen der Kandidatinnen. Jede einzelne war stimmlich sicher und stand mit einer erstaunlichen Bühnenpräsenz vor dem Publikum. In zwei Runden präsentierten die Teilnehmerinnen zwei selbstgewählte Songs unterschiedlichen Charakters. Bei der Begleitung wurde dieses Jahr ganz auf Playbacks verzichtet; viele verschiedene Instrumentalisten unterstützten die Sängerinnen und machten diesen Abend zu etwas ganz Besonderem. Annika Becker und Laurids Pietraß (MSS 11) führten souverän und mit viel Witz durchs Programm und bereicherten den Abend durch zwei Auftritte mit Band. Es war eine große Freude, die Gewinnerin des letzten Wettbewerbes hier wieder zu erleben. Der Abend stellte enorme Anforderungen an die Technik. Wir sind unglaublich stolz auf unsere Technik-AG, die diese Herausforderung bravourös meisterte.

Bei der hohen Qualität aller Beiträge fiel der Jury die Entscheidung schwer. Den ersten Platz erhielt Annika Schomburg (MSS 11) mit ihrer hervorragenden Interpretation der Songs „Valerie“ von Amy Winehouse und „If I Ain’t Got You“ von Alicia Keys. Sie begeisterte Jury und Publikum durch ihre Souveränität und ihre warme Stimme, die sie sehr vielfälltig einzusetzen vermag. Wir sind stolz, dass sie unsere Schule beim Finale am 18. Mai in Herxheim vertreten wird. Alexandra Fadeev (9c) beeindruckte mit ihrer großen Stimme und ihrer Bühnenpräsenz und erhielt den zweiten Preis. Der dritte ging an Benita Hoffmann (10t), die die Zuhörer mit ihrer Ballade zutiefst berührte.
Veranstalter Klaus Eichenlaub lobte das hohe Niveau unserer Sängerinnen und hätte wenn möglich gerne mehr in die Finalrunde weitergeleitet. Auch das Publikum zeigte sich von diesem abwechslungsreichen Abend sichtlich begeistert.

Text: Felix Rosskopp

Teilnehmerinnen:
Alexandra Fadeev (9c)
Benita Hoffmann (10t)
Rike Laven (8d)
Henrike Matros (7a)
Sweda Rasaiah (10a)
Clara Reis (MSS12)
Hannah Reis (7a)
Runa Sachs (7a)
Annika Schomburg (MSS11)
Lara Spielberger (9c)

Begleitung:
Ulrike Sauerhöfer, Klavier
Jürgen Sauerhöfer, Gitarre
Tabea Brummer, E-Bass (MSS13)
Lena Dittrich, Klavier (MSS13)
Nadja Dworak, E-Gitarre
Sophia Fuchs, Schlagzeug (MSS12)
Michael Hammer, Trompete
Lovisa Matros, Cello (MSS11)
Frau Matros, Klavier
Herr Matros, Gitarre
Laurids Pietraß, Klavier (MSG, MSS11)
Carolin Schwarzhaupt, Schlagzeug (MSS11)
Felix Wagner, Saxophon (MSG, MSS13)

Technik-AG:
Herr Hammer
Herr Majlath
Herr Schmalenberg
Lena Polte
Sophia Deckhut (MSS11)

Jury:
Nora Brandenburger (Externes Jurymitglied)
Annike Debus (MSS13, Schülerinnenvertreterin)
Frau Kerner
Frau Hoffmann
Herr Rosskopp

„Drunter und drüber“

„Drunter und drüber“ ging es am Freitag, den 15. Februar um 19.30 Uhr in der Aula der Maria-Ward-Schule in Landau. Der fächerübergreifend gestaltete Abend stand ganz im Zeichen moderner und experimenteller Ausdrucksformen in den künstlerischen Fächern.

Der Grundkurs Darstellendes Spiel (MSS11, Weidner) setzte Karlheinz Stockhausens Anleitungen zu intuitiver Musik aus dem Werk From the seven days szenisch um. Die Aufforderung des berühmten Komponisten, „nicht zu denken“ oder „nicht mit dem Verstand begreifen zu wollen“, um sich auf etwas ganz Neuartiges einlassen oder gar erst entstehen lassen zu können, half so manchem im Publikum, sich „Unerhörtem“ zu öffnen.

Schließlich erfordert es eine gewisse Offenheit, mit schepperndem Porzellan kombinierte Bechstein-Klänge (wenn nicht als Ohrenschmaus, so doch) als Kunstwerk akzeptieren oder gar genießen zu können. Die eigenen und sehr experimentellen, zum Teil in Zusammenarbeit mit Studierenden der Kompositionsklasse Orm Finnendahl (Musikhochschule Frankfurt) entstandenen Kompositionen der Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Musik (MSS 13, Rosskopp) spannten einen Bogen von instrumentaler Musik, über Alltagsgeräusche bis hin zu Gesang.

Einer der beiden abstrakten Stummfilme des Grundkurses Bildende Kunst (MSS 12, Sauerhöfer) wurde sogar – mal laut, mal leise – vom Publikum live „vertönt“. In einer vielfältigen Ausstellung, die während der langen Pause betrachtet werden konnte, präsentierten die Schülerinnen außerdem Zeichnungen, Collagen, Gemälde, Fotos, Plastiken und Modeentwürfe zum Thema „Drunter und drüber“.

Das Publikum würdigte alle Schüler/innen mit lang anhaltendem Applaus für diesen äußerst abwechslungsreichen Abend voller vielgestaltiger Sinneseindrücke.

Text: Frau Weidner

Weihnachtskonzert 2018

Bildergalerie des 1. Konzerts:

Bildergalerie des 2. Konzerts:

 

Folgendes Programm begeisterte am 1. & 2. Weihnachtskonzert die Zuschauer:

Weihnachtskonzert I

Sinfonisches Jugendorchester
Ouverture“ aus L’Arlésienne-Suite Nr.1“ George Bizet
 
Chor der Mws
Es ist ein Ros entsprungen Tilman Jäger
O be joyful Philip Stopford
 
Musik-Leistungskurse 11-13
Ubi caritas Maurice Duruflé
Unser lieben Frauen Traum Max Reger
Sinfonisches Jugendorchester
Homage to J.S. Bach” Jerry Brubaker
Chor der Mws
Seasons Ola Gjeilo
The Three Kings Bob Chilcott
Mary, Did You Know? Roger Emerson
 
Kammerchor
Wie lieblich sind deine Wohnungen Josef Gabriel Rheinberger
Peace I Leave With You Knut Nystedt
Only In Sleep Eriks Ešenvalds
 
Sinfonisches Jugendorchester
Carillon” aus L’Arlésienne-Suite Nr.1“ George Bizet
 
Chor der Mws und Band
Christmas Joy Roger Emerson

Weihnachtskonzert II

Vororchester
Winter“ aus den „ Vier Jahreszeiten“ Antonio Vivaldi
A Time For Us“ aus dem Musical „Romeo und Julia“ Nino Rota
I Will Follow Him“ J.W.Stole
 
Blockflöten-Ensemble
Santa Claus is coming to town Fred J. Coots
Vor langer Zeit in Bethlehem von den Bahamas
Friedlich ziehen Menschen aus Spanien
Feliz Navidad José Feliciano
 
Klasse 6b
Andante Ludwig van Beethoven
 
Chor der 5. Klassen
Hey, Nikolaus Christoph Heimbucher
Die Sterne am Himmel Hilger Schallehn
Stern über Bethlehem Alfred Hans Zoller
Jesus, come to us  
 
Band
Sunny Bobby Hebb
Ain’t no sunshine Bill Withers
Highway to christmas AC/DC
Baby it’s cold outside Frank Loesser

Mitwirkende

Band Leitung: Michael Hammer Solisten: Lena Dittrich (MSS13), Tabea Brummer (MSS13), Livia Himpel (MSS11), Lea Schumacher (MSS11), Annika Schomburg (MSS11), Annika Becker (MSS11)
Blockflöten-Ensemble Leitung: Nina Hörner Assistenz: Amelie Gerst (MSS13), Schlagzeug: Sophia Fuchs (MSS 12)
Chor der 5. Klassen Leitung + Klavier: Nina Hörner und Manuel Cordel

Chor der Mws Leitung: Manuel Cordel Klavier: Nina Hörner und Ulrike Sauerhöfer

Solisten: Mathilda Duthie (MSS13), Amelie Gerst (MSS13), Rosa Cebulj (8a), Rike Laven (8d), Alexandra Fadeev (9c), Sabrina Schwind (MSS13)

Kammerchor Leitung: Felix Rosskopp

Klavier: Robin Völbel (MSS 11 MSG) Solo: Annike Debus (MSS 13)

Klasse 6b Leitung: Agnes Hoffmann
Musik-Leistungskurse 11-13 Leitung: Reinhilde Kerner und Felix Rosskopp

Sinfonisches Jugendorchester Leitung: Agnes Hoffmann

Instrumental-Solisten: Annika Schomburg (MSS11), Franziska Roos (MSS11), Annkatrin Kuhn (MSS11)

Technik-Ag Leitung: Thomas Majlath/ Michael Hammer

Exkursion des Musik-LKs 1 ins Kloster Maria Laach

Fahrt des Musik LKs11 nach Maria Laach

Die Kirchtürme von Maria Laach hießen uns bereits aus der Ferne willkommen, als wir am 14. September 2018 nach einer sechsstündigen Reise endlich unser Ziel erreichten. Sie hießen uns willkommen, an einem Ort, der schon vieles erlebt hat, an dem jeder Augenblick eine Geschichte zu erzählen scheint und an dem immer wieder Menschen Frieden finden dürfen, weil sie in die Sanftheit seiner Stille gebettet werden. Auch uns – den Musik Lk 11, in Begleitung von Herrn Rosskopp und Frau Brummer – ließen die Mönche in Maria Laach für ein paar Tage teilhaben, an dieser einzigartigen, friedvollen Atmosphäre, die dort alles umgibt. Der erste Mönch, den wir kennen lernten, war Pater Victor, ein netter Mann mit orangener Brille, der die Zimmerschlüssel verteilte und kurze Zeit später das Glöckchen läutete, welches das Tischgebet vor dem Abendessen ankündigte. Nach dem Essen trafen wir auf Bruder Jacobus und Pater Elias und gingen anschließend in den Gottesdienst.Die Kirche von Maria Laach; ein Ort, an dem der Frieden ein Zuhause gefunden hat, eingehüllt in den ruhigen Klang der Töne, die aus den Bankreihen der Mönche aufschweben und das Gebäude irgendwo in seinen Grundfesten vibrieren lassen.

Nachdem in der Nacht auch unser letzter Nachzügler in Maria Laach eingetrudelt war, blinzelte jetzt am frühen Morgen (5:30 Uhr) eine ganze Reihe von schlaftrunkenen Gesichtern in Richtung Altarraum, wo die Mönche schon wieder munter ihre Choräle sangen. Die Morgenhore war ein besonderes Erlebnis, welches uns allen zwar ein paar Stunden kostbaren Schlaf raubte, durch das wir jedoch auch Teil von etwas vollkommen Einzigartigem werden durften. Nachdem knappe zwei Stunden später ein weiterer Gottesdienst gefeiert worden war und wir gefrühstückt hatten, stand eine Klosterführung an, bei der uns Bruder Jacobus die Geschichte von der skurrilste Beerdigung, die er je erlebt hatte, erzählte. Die Bücherei von Maria Laach ist zum Bersten gefüllt mit unendlich vielen Worten und Gedanken, die uns fasziniert einen Moment lang innehalten ließen. Hier öffnete sich die Tür zu einer anderen Welt; einer Welt voller Worte und Gedanken, die wir niemals alle werden erfassen können. Wir haben so vieles gelernt in diesen Tagen – auch, das ein oder andere Vorurteil gegenüber Mönchen und ihrer Lebensweise abzustreifen.  Denn Maria Laach ist ein Ort der Diskussionen und des Austauschs von Gedanken, Gefühlen und Ansichten.  Es ist ein Ort, an dem die Zeit, zwar wie in eine schwarze Kutte gehüllt, unter der sie jedoch farbenfroh schillert, gleich einem Kaleidoskop, zeitlos ihren Gang geht. Und irgendwie gar nicht existiert. Maria Laach ist ein wunderschöner Ort, an den man kommt, den Kopf, wenn auch unbewusst, gefüllt mit Stereotypen und Erwartungen, an dem man unglaublich vieles hinterfragt und dann, wenn man wieder gehen muss, irgendwie ein klein wenig ein anderer Mensch geworden ist.

Text: Lovisa Matros

Die große Ungarn-Tour 2018

Ungarn Konzertreise

121 Musikerinnen aus Chören, Orchester und Band der Maria-Ward-Schule widmen sich dem interkulturellen Austausch und begeistern auch ungarisches Publikum

Landau, 07.04.2018. Es ist 19:30 Uhr und in der Vogesenstraße herrscht Verkehrschaos. 121 Musikerinnen und ein neunköpfiges Management-, Security- und PR-Team haben sich vor der Maria-Ward-Schule versammelt, um von hier aus auf eine einwöchige Ungarn-Tournee aufzubrechen. Mit dabei waren Instrumente, sonstige musikalische Ausstattung und Gepäck für eine Woche (obwohl man im Anbetracht der Koffergrößen als Außenstehender auch auf eine mehrjährige Welttournee hätte schließen können). Für weitere Unordnung sorgten zahlreiche Groupies (aka unsere Familien), die die Tourbusse jubelnd verabschiedeten – dass sie den Stars tatsächlich zujubelten und nicht einfach froh über die kommende Woche Ruhe waren, ist von Seiten des Managements noch nicht bestätigt. Zur Verabschiedung war auch die Tour-Managerin Frau Bollinger gekommen, die das großartige Programm in Ungarn auf die Beine gestellt hat – an dieser Stelle nochmals ein besonderer Dank! Um 20:20 Uhr machten sich die Busse auf die fast 16-stündige Busreise in Richtung Ungarn auf, genauer gesagt zu ihrem ersten Stopp Budapest.

Nachdem die Musikerinnen unter Beobachtung ungarischer Fans im „Hotel Budapest“ in Empfang genommen wurden, begaben sie sich zurück in den Bus, wo ihnen bei einer Stadtrundfahrt von den einheimischen Reiseführern, die die Gruppe die ganze Woche über begleiteten, die Sehenswürdigkeiten und die Geschichte Ungarns Hauptstadt näher gebracht werden sollte. Diese führte sie unter anderem durch das Burgenviertel, die Innenstadt sowie das jüdische Viertel – das heutige Party-Zentrum der Stadt. Dabei erlebten sie die beiden Stadtteile Buda und Pest, aus denen sich die heutige zwei-Millionen-Einwohner-Stadt zusammen-setzt.

Am frühen Abend erreichten die Stars die Location ihres ersten Konzerts, die Kirche der deutschen katholischen Gemeinde in Budapest. Die für diesen Abend eher ruhig ausgewählte Setlist bewegte das Publikum zutiefst – besonders berührt waren die Zuhörer dem vom Chor aufgeführten ungarischen Volkslied „Esti Dal“, einige sangen sogar mit. Zum Abschluss dieses gelungenen Tages konnten die Musikerinnen auf dem Fußweg zurück zum Hotel, welcher sie vorbei am beleuchteten Parlamentsgebäude am gegenüberliegenden Donauufer führte, Budapest bei Nacht genießen.

Am nächsten Morgen verließen sie ihr Hotel in Budapest und brachen in Richtung Baja im Süden Ungarns auf, legten zuerst aber noch einen Zwischenstopp im Hotel „Geréby Kúria“ ein. An diesem Veranstaltungsort, wo sonst z.B. Hochzeiten und ähnliche Festivitäten ausgerichtet werden, wurden den Musikerinnen bei ungarischer Gulaschsuppe Folklore-Musik und traditionelle Volkstänze präsentiert. Nach einer weiteren Busfahrt erreichten sie ihren nächsten Halt Kecskemét. Hier führte ein Stadtrundgang einen Teil der Gruppe vorbei an Gotteshäusern verschiedener Religionen und sonnenbeschienenen Jugendstilfassaden. Der andere Teil besichtigte derweil das Kodály-Institut, wo (fort-)bildende Musikkurse nach dem Konzept des musikpädagogischen Visionärs Zoltán Kodály angeboten werden. Danach wurde die Truppe für eine Führung durch das Rathaus wiedervereint. Nach ihrem letzten öffentlichen Auftritt des Tages zogen sich die Musikerinnen und ihre Crew in ein Wellness-Hotel in Baja zurück.

Der erste Stopp der Tourbusse am nächsten Morgen war Pécs, im Deutschen auch „Fünfkirchen“ genannt. Dort führte ein kleiner Stadtrundgang die Pfälzerinnen vorbei am Dom, dem Rathaus und – am allerwichtigsten – der Sektfabrik. An diesem Mittag wurden sie beim Essen in einem noblen Restaurant gesichtet, von wo sie wohl zu ihrem Konzert im Dom zu Pécs aufbrachen.

Dieser war bis zum Rand gefüllt, da Schülerinnen und Schüler der umliegenden Schulen das Konzert dem Nachmittagsunterricht vorzogen. Die andächtige Atmosphäre, die grandiose Akustik und das wunderschöne Gebäude machten das Konzert zum musikalischen Höhepunkt der Reise. Auf das große Konzert folgte eine spontane kleinere Darbietung, a capella oder begleitet von Ukulelen, auf dem zentralen Platz in Pécs, was für gute Laune bei den Musikerinnen, der Crew und den Passanten führte. Zurück in Baja wurden sie von regionalen Künstlern (den Schülerinnen und Schülern des dortigen „Ungarndeutschen Bildungszentrums“ (UBZ)) erwartet, mit denen sie zum Abendessen eine „Bartour“ durch die Innenstadt unternahmen. „Dabei konnten wir uns – auf Deutsch, Englisch oder mit Händen und Füßen – über gemeinsame Interessen an den wichtigen Dingen des Lebens wie Lieblingsmusik, verschiedene Schulsysteme und, am wichtigsten, Lieblingssüßigkeiten austauschen“, so berichteten Insider.

Den darauffolgenden Tag verbrachten sie im UBZ selbst. Dieses ist ein Bildungszentrum für Menschen jeden Alters, das sich aus Kindergarten, Schulen und Kursen für Erwachsene zusammensetzt. Bei diesen Angeboten liegt der Fokus auf der Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur, die vor ca. 300 Jahren mit deutschen Einwanderern über die Donau nach Ungarn kam. Dort fand der einzige offizielle Pressetermin der Gruppe statt (Das ungarische Fernsehen berichtete). Die Stars gaben exklusive Einblicke in Erlebnisse und Hintergründe der Tour und beantworteten sogar einige persönliche Fragen rund ums Thema Musik. Als Vorbereitung auf die musikalische Zusammenarbeit mit den ungarndeutschen KollegInnen und um neue musikalische Inspiration zu sammeln (über ein neues Album wird spekuliert), besuchten die Musikerinnen verschiedene Workshops rund um die Geschichte, Tradition und Lebensweise der Gastgeber. Vielleicht auch deshalb wurde auch das letzte Konzert der Tour in Kollaboration mit den Musikern und Musikerinnen des UBZ ein voller Erfolg. Obwohl die Künstler ein phänomenales Tourfinale hinlegten, kam es an diesem Tag beinahe zur Spaltung der Gruppe. Die begleitenden Roadies forderten sowohl die „Musiker“ als auch die „Sänger“ zum Aufräumen auf, diese Differenzierung führte zu Kontroversen und heftigen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gruppe. Die Spannungen legten sich jedoch bald beim Lernen ungarndeutscher Volkstänzen, somit wurde nicht nur der interkulturelle Austausch gefördert, sondern auch der intragemeinschaftliche Zusammenhalt gestärkt.

Der Sprecher der ungarndeutschen Gastgeber – Joschi Emmert, Lehrer am UBZ – äußerte sich begeistert: So musikalische, intelligente, gut erzogene, motivierte Mädels habe ich noch nie erlebt.
Meinerseits ein großes Kompliment an die MWS!!! Wie Musik Brücken baut: Nach dem Konzert gestern haben die Chorleiter von einander Noten verlangt. Heute sagte unser Chorleiter: Wir können von der MWS viel lernen, wie man Kinder zur Musik motiviert.

Den letzten Tag der Tour verbrachte die Gruppe wieder in Budapest, wo sie diesmal das Burgenviertel zu Fuß erkundete und danach noch inkognito bei Shopping, Sightseeing und ungarischem Streetfood knapp den Paparazzi entkamen. Der letzte offizielle Programmpunkt war ein nächtlicher Spaziergang zur „Freiheitsstatue“ Budapests. Diese steht auf einem Berg, weshalb sich allen ein wunderschöner Blick über die Lichter der Stadt bot.

Hier verabschiedeten wir uns mit einem letzten Lied von den zu Tränen gerührten Reiseleiterinnen.“, so einer der Stars. „Verabschieden mussten wir uns am nächsten Morgen leider auch von Budapest und ganz Ungarn, das uns in der letzten Woche so sehr ans Herz gewachsen war, aber was soll man sagen – so it goes.“

Text: Tabea Brummer & Lena Dittrich