Die große Ungarn-Tour 2018

Ungarn Konzertreise

121 Musikerinnen aus Chören, Orchester und Band der Maria-Ward-Schule widmen sich dem interkulturellen Austausch und begeistern auch ungarisches Publikum

Landau, 07.04.2018. Es ist 19:30 Uhr und in der Vogesenstraße herrscht Verkehrschaos. 121 Musikerinnen und ein neunköpfiges Management-, Security- und PR-Team haben sich vor der Maria-Ward-Schule versammelt, um von hier aus auf eine einwöchige Ungarn-Tournee aufzubrechen. Mit dabei waren Instrumente, sonstige musikalische Ausstattung und Gepäck für eine Woche (obwohl man im Anbetracht der Koffergrößen als Außenstehender auch auf eine mehrjährige Welttournee hätte schließen können). Für weitere Unordnung sorgten zahlreiche Groupies (aka unsere Familien), die die Tourbusse jubelnd verabschiedeten – dass sie den Stars tatsächlich zujubelten und nicht einfach froh über die kommende Woche Ruhe waren, ist von Seiten des Managements noch nicht bestätigt. Zur Verabschiedung war auch die Tour-Managerin Frau Bollinger gekommen, die das großartige Programm in Ungarn auf die Beine gestellt hat – an dieser Stelle nochmals ein besonderer Dank! Um 20:20 Uhr machten sich die Busse auf die fast 16-stündige Busreise in Richtung Ungarn auf, genauer gesagt zu ihrem ersten Stopp Budapest.

Nachdem die Musikerinnen unter Beobachtung ungarischer Fans im „Hotel Budapest“ in Empfang genommen wurden, begaben sie sich zurück in den Bus, wo ihnen bei einer Stadtrundfahrt von den einheimischen Reiseführern, die die Gruppe die ganze Woche über begleiteten, die Sehenswürdigkeiten und die Geschichte Ungarns Hauptstadt näher gebracht werden sollte. Diese führte sie unter anderem durch das Burgenviertel, die Innenstadt sowie das jüdische Viertel – das heutige Party-Zentrum der Stadt. Dabei erlebten sie die beiden Stadtteile Buda und Pest, aus denen sich die heutige zwei-Millionen-Einwohner-Stadt zusammen-setzt.

Am frühen Abend erreichten die Stars die Location ihres ersten Konzerts, die Kirche der deutschen katholischen Gemeinde in Budapest. Die für diesen Abend eher ruhig ausgewählte Setlist bewegte das Publikum zutiefst – besonders berührt waren die Zuhörer dem vom Chor aufgeführten ungarischen Volkslied „Esti Dal“, einige sangen sogar mit. Zum Abschluss dieses gelungenen Tages konnten die Musikerinnen auf dem Fußweg zurück zum Hotel, welcher sie vorbei am beleuchteten Parlamentsgebäude am gegenüberliegenden Donauufer führte, Budapest bei Nacht genießen.

Am nächsten Morgen verließen sie ihr Hotel in Budapest und brachen in Richtung Baja im Süden Ungarns auf, legten zuerst aber noch einen Zwischenstopp im Hotel „Geréby Kúria“ ein. An diesem Veranstaltungsort, wo sonst z.B. Hochzeiten und ähnliche Festivitäten ausgerichtet werden, wurden den Musikerinnen bei ungarischer Gulaschsuppe Folklore-Musik und traditionelle Volkstänze präsentiert. Nach einer weiteren Busfahrt erreichten sie ihren nächsten Halt Kecskemét. Hier führte ein Stadtrundgang einen Teil der Gruppe vorbei an Gotteshäusern verschiedener Religionen und sonnenbeschienenen Jugendstilfassaden. Der andere Teil besichtigte derweil das Kodály-Institut, wo (fort-)bildende Musikkurse nach dem Konzept des musikpädagogischen Visionärs Zoltán Kodály angeboten werden. Danach wurde die Truppe für eine Führung durch das Rathaus wiedervereint. Nach ihrem letzten öffentlichen Auftritt des Tages zogen sich die Musikerinnen und ihre Crew in ein Wellness-Hotel in Baja zurück.

Der erste Stopp der Tourbusse am nächsten Morgen war Pécs, im Deutschen auch „Fünfkirchen“ genannt. Dort führte ein kleiner Stadtrundgang die Pfälzerinnen vorbei am Dom, dem Rathaus und – am allerwichtigsten – der Sektfabrik. An diesem Mittag wurden sie beim Essen in einem noblen Restaurant gesichtet, von wo sie wohl zu ihrem Konzert im Dom zu Pécs aufbrachen.

Dieser war bis zum Rand gefüllt, da Schülerinnen und Schüler der umliegenden Schulen das Konzert dem Nachmittagsunterricht vorzogen. Die andächtige Atmosphäre, die grandiose Akustik und das wunderschöne Gebäude machten das Konzert zum musikalischen Höhepunkt der Reise. Auf das große Konzert folgte eine spontane kleinere Darbietung, a capella oder begleitet von Ukulelen, auf dem zentralen Platz in Pécs, was für gute Laune bei den Musikerinnen, der Crew und den Passanten führte. Zurück in Baja wurden sie von regionalen Künstlern (den Schülerinnen und Schülern des dortigen „Ungarndeutschen Bildungszentrums“ (UBZ)) erwartet, mit denen sie zum Abendessen eine „Bartour“ durch die Innenstadt unternahmen. „Dabei konnten wir uns – auf Deutsch, Englisch oder mit Händen und Füßen – über gemeinsame Interessen an den wichtigen Dingen des Lebens wie Lieblingsmusik, verschiedene Schulsysteme und, am wichtigsten, Lieblingssüßigkeiten austauschen“, so berichteten Insider.

Den darauffolgenden Tag verbrachten sie im UBZ selbst. Dieses ist ein Bildungszentrum für Menschen jeden Alters, das sich aus Kindergarten, Schulen und Kursen für Erwachsene zusammensetzt. Bei diesen Angeboten liegt der Fokus auf der Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur, die vor ca. 300 Jahren mit deutschen Einwanderern über die Donau nach Ungarn kam. Dort fand der einzige offizielle Pressetermin der Gruppe statt (Das ungarische Fernsehen berichtete). Die Stars gaben exklusive Einblicke in Erlebnisse und Hintergründe der Tour und beantworteten sogar einige persönliche Fragen rund ums Thema Musik. Als Vorbereitung auf die musikalische Zusammenarbeit mit den ungarndeutschen KollegInnen und um neue musikalische Inspiration zu sammeln (über ein neues Album wird spekuliert), besuchten die Musikerinnen verschiedene Workshops rund um die Geschichte, Tradition und Lebensweise der Gastgeber. Vielleicht auch deshalb wurde auch das letzte Konzert der Tour in Kollaboration mit den Musikern und Musikerinnen des UBZ ein voller Erfolg. Obwohl die Künstler ein phänomenales Tourfinale hinlegten, kam es an diesem Tag beinahe zur Spaltung der Gruppe. Die begleitenden Roadies forderten sowohl die „Musiker“ als auch die „Sänger“ zum Aufräumen auf, diese Differenzierung führte zu Kontroversen und heftigen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gruppe. Die Spannungen legten sich jedoch bald beim Lernen ungarndeutscher Volkstänzen, somit wurde nicht nur der interkulturelle Austausch gefördert, sondern auch der intragemeinschaftliche Zusammenhalt gestärkt.

Der Sprecher der ungarndeutschen Gastgeber – Joschi Emmert, Lehrer am UBZ – äußerte sich begeistert: So musikalische, intelligente, gut erzogene, motivierte Mädels habe ich noch nie erlebt.
Meinerseits ein großes Kompliment an die MWS!!! Wie Musik Brücken baut: Nach dem Konzert gestern haben die Chorleiter von einander Noten verlangt. Heute sagte unser Chorleiter: Wir können von der MWS viel lernen, wie man Kinder zur Musik motiviert.

Den letzten Tag der Tour verbrachte die Gruppe wieder in Budapest, wo sie diesmal das Burgenviertel zu Fuß erkundete und danach noch inkognito bei Shopping, Sightseeing und ungarischem Streetfood knapp den Paparazzi entkamen. Der letzte offizielle Programmpunkt war ein nächtlicher Spaziergang zur „Freiheitsstatue“ Budapests. Diese steht auf einem Berg, weshalb sich allen ein wunderschöner Blick über die Lichter der Stadt bot.

Hier verabschiedeten wir uns mit einem letzten Lied von den zu Tränen gerührten Reiseleiterinnen.“, so einer der Stars. „Verabschieden mussten wir uns am nächsten Morgen leider auch von Budapest und ganz Ungarn, das uns in der letzten Woche so sehr ans Herz gewachsen war, aber was soll man sagen – so it goes.“

Text: Tabea Brummer & Lena Dittrich